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Von der Steinzeit auf der Krautinsel, über die bronzezeitlichen Funde im Achental, bis zu keltischen Grabhügelfeldern und Siedlungen: der Chiemgau ist seit „Menschengedenken“ ein bevorzugter Siedlungsraum. Zahlreiche archäologische Fundstellen legen davon Zeugnis ab. Um Christi Geburt wurde der Chiemgau Teil der römischen Provinz NORICUM und verwaltungstechnisch der Stadt IUVAVUM/Salzburg unterstellt. An den neu ausgebauten (Fern-)Straßen und an den Seen und Flüssen entwickelten sich schnell kleinere Siedlungen. An wichtigen Verkehrsknotenpunkten, wie in BEDAIUM/Seebruck, entstanden Straßendörfer, in denen vor allem Handwerker und Händler ihre Dienste feilboten. Ein engmaschiges Netz aus größeren und kleineren Gutshöfen und Landgütern, die als villae rusticae bekannt sind, stellte die Versorgung der Städte und Siedlungen mit Nahrungsmitteln sicher.

Blick auf die Fundstelle des römischen Gutshofes in Erlstätt

Heute noch sichtbare Überreste des römischen Gutshofes auf den „Maueräckern“ in Erlstätt

Auf den langgestreckten Hügeln über dem Grabenstätter Ortsteil Erlstätt lag zur Römerzeit das großzügige und luxuriöse Landgut eines hochrangigen, römischen Verwaltungsbeamten. Direkt an der – heute Via Julia genannten – Hauptverkehrsroute von IUVAVUM/Salzburg nach AELIA AUGUSTA/Augsburg konnten bisher zwei Wohngebäude sowie ein Badegebäude (Therme) archäologisch dokumentiert werden. Auf der landschaftlich sehr reizvoll gelegenen Fläche wurde über die Jahre eine Vielzahl an Objekten aufgelesen und von einem Grabenstätter Bürger sorgfältig gesammelt. Seit 2012 wird das stattliche Fundensemble im Römermuseum Grabenstätt dem interessierten Publikum zugänglich gemacht.

Plan der Messergebnisse: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege-Geophysik, AutoCAD-Plan-Nr. 8140/059, Bearbeiter: Roland Linck

Plan der Messergebnisse:

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege-Geophysik,

AutoCAD-Plan-Nr. 8140/059,

Bearbeiter: Roland Linck

Luftbild:

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege-Luftbilddokumentation, Aufnahmedatum 16.12.1988, Foto Otto Braasch,

Archiv-Nr. 8140/059, Dia 5740-33.

Das Spektrum umspannt die komplette Alltagswelt eines römischen Großgutes. Ausgestellt werden Baumaterialien und Werkzeuge, landwirtschaftliche Geräte, Hausrat und Geschirr. Vor allem die beeindruckenden Überreste der luxuriösen Innenausstattung der Wohn- und des Badegebäudes, wie Wandmalereireste und Mosaikböden sind am Chiemsee einzigartig.
Die Rekonstruktion einer Handmühle mit einem Original-Läuferstein bringt Kindern den Alltag am Chiemsee zur Römerzeit durch Ausprobieren anschaulich näher.

Der erste Mosaikfund 1815, abgebildet in: Ignaz Antiochus Fletz, Antiquarischer Versuch zu Erklärung der Mythen (…), Salzburg 1817, Faltbeilage.

Das Römermuseum Grabenstätt wird ehrenamtlich geführt und kann zu den Öffnungszeiten der Tourist Information kostenlos besichtigt werden.

Die Kinder-Mitmachstation im Römermuseum

Römerregion Chiemsee

Grabenstätt ist Teil der „Römerregion Chiemsee“. 11 Gemeinden rund um den Chiemsee präsentieren gemeinsam ihre römische Vergangenheit – unterhaltsam und nach aktuellem wissenschaftlichem Stand. Durch diese Kooperation werden der außergewöhnliche archäologische Gesamtbestand sowie die Lebensrealität vor 2000 Jahren in der Region sichtbar gemacht.

In Grabenstätt wird die römische Vergangenheit an verschiedenen Stationen im Ort dargestellt.

Die Kinder-Mitmachstation zum Thema „Römische Mosaike“ im Römermuseum in der Schlossökonomie animiert dazu, selbst ein Mosaikbild zu legen.

www.roemerregion-chiemsee.de

An der Johanniskirche im Ortszentrum führt eine Infotafel in die römische Geschichte Grabenstätts ein.
Im Ortsteil Erlstätt lässt ein „Fenster in die Vergangenheit“ das prachtvolle römische Landgut wieder auferstehen.

Autor: Andrea Krammer M.A., Provinzialrömische Archäologie

Römermuseum Grabenstätt

Schloßstraße 17, 83355 Grabenstätt