Allgemeine Informationen zum Thema Hochwasser(risiko)

Hochwasser, Starkregen und Sturzfluten

Bei außergewöhnlichem oder tagelangem Starkregen sind Bäche und Flüsse oft nicht mehr in der Lage, die Wassermassen zu fassen. In der Folge können sich Überschwemmungen ergeben.

Extremer Starkregen, Stürme und Gewitter können aber auch für plötzliche und gewaltige Sturzfluten sorgen. Kleine Bäche gehen über die Ufer und Oberflächenwasser kann von der Kanalisation nicht mehr gefasst werden und fließt wild ab. So können auch Orte und Wohnviertel betroffen sein, welche bisher keine Probleme mit Hochwasser hatten oder nicht in einem klassischen Gefährdungsgebiet liegen. Dies zeigen die landesweiten Beispiele aus den zurückliegenden Jahren.

Starkregen tritt oftmals im Sommer im Zusammenhang mit Gewittern überraschend auf. Es sind nicht nur langandauernde großflächige Dauerregen gefährlich, sondern v.a. auch kleinräumige, kurzzeitige und kräftige Starkniederschläge.

Neben der Gefahr unkontrollierter Abflüsse von Oberflächenwasser, welche in Gebäude eindringen und Schäden verursachen können, gibt es Hochwasserereignisse, die in drei unterschiedliche Gefahrenszenarien eingeteilt werden (häufige, mittlere und extreme Hochwasserereignisse). Sie werden nach ihrer Eintrittshäufigkeit unterschieden und dabei in Bezug auf die Höhe des Wasserstandes eingeteilt.

Genauere Erklärungen können auf der Plattform „Informationsdienst Überschwemmungsgefährdete Gebiete“ (IÜG) abgerufen werden.

Hochwassergefahrenflächen und Überschwemmungsgebiete

In das Wasserhaushaltsgesetz ist die Verpflichtung aus der „Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2007 über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken“, kurz: EG-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (EG-HWRM-RL) übernommen worden, wonach Gefahrenkarten, Risikokarten und Maßnahmenkarten herzustellen sind (§ 73 WHG).

Der „Informationsdienst Überschwemmungsgefährdete Gebiete“ (IÜG) ist eine Plattform zur Information über Hochwassergefahren und Hochwasserrisiken sowie zur Veröffentlichung von vorläufig gesicherten, bzw. amtlich festgesetzten Überschwemmungsgebieten. Dieser Internet-Kartendienst bietet die Möglichkeit, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Gebiete in Bayern von Hochwasser betroffen sein können. Ein regionales Risikogewässer stellt die Tiroler Achen dar.

Die Hochwassergefahrenkarten informieren über die mögliche Ausdehnung und Tiefe einer Überflutung, bezogen auf unterschiedliche Eintrittswahrscheinlichkeiten. Es werden drei Hochwasserszenarien betrachtet:

HQhäufig, HQ100 und HQextrem. Anhand dieser unterschiedlichen Szenarien wird aufgezeigt, welche Nutzungen (Wohnbauflächen, Flächen gemischter Nutzung, Industrie- und Gewerbeflächen, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wald, Forst, etc.) betroffen sein können bzw. wo Einwohner, Schutzgebiete oder Kulturobjekte gefährdet sind oder Gefahrenquellen aus Industrieanlagen vorliegen.

Die genannten Karten stellen aber nur die identifizierbaren Risikobereiche dar. Nicht darstellbar sind deshalb Überschwemmungen aufgrund überlasteter Kanalnetze oder Überströmungen aus Sturzfluten.

Ausführliche Informationen zum Inhalt und zur Darstellung der Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten können unter der Webseite IÜG abgerufen werden.

Früherkennung, Pegelstände, Meldestufen, Warnungen

Hochwassernachrichtendienst Bayern

Zur Früherkennung von Hochwassergefahren können über den Hochwassernachrichtendienst Bayern Pegelstände, aktuelle Meldestufen und Hochwasserwarnungen abgerufen werden (https://www.hnd.bayern.de).

Der örtliche Schutz ist von den Städten und Gemeinden herzustellen, d.h. diese stehen im engen Kontakt mit Feuerwehren und sonstige Hilfseinrichtungen. Bei großen Hochwasserereignissen wird die Bevölkerung über Radio und Presse informiert.

Umwelt-App

Mit der Umwelt-App kann das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz Bayerns Bürger warnen, wenn Natur- oder Umweltgefahren in Form von Hochwasser, Unwetter, Lawinen oder Überschreitung der Ozon-Grenzwerte eintreten (https://www.stmuv.bayern.de/service/mobil/umweltinfo.htm).

Checkliste, Hinweise, Eigenvorsorge

Sich gänzlich gegen großes Hochwasser oder Sturzfluten zu schützen, ist letztendlich nicht möglich. Etwaige Schäden lassen sich durch verschiedene Vorkehrungsmaßnahmen jedoch zum Teil begrenzen.

Initivative Hochwasser.Info.Bayern

Ziel der Initiative „… und HOCHWASSERSCHÜTZER“ ist es, die Sensibilität für das Thema Hochwasser zu stärken, die praktischen Möglichkeiten zur Hochwasservorsorge einer breiten Öffentlichkeit bewusster zu machen und mehr Verständnis für Hochwasserschutzmaßnahmen zu schaffen.

„Das ABC für den Ernstfall“

Checkliste „So schützen Sie sich vor Hochwasser“ (Bayerisches Landesamt für Umwelt).

Informationen zum Objektschutz und bauliche Vorsorge 

Aspekte des vorbeugenden Hochwasserschutzes, Hinweise für betroffene Bürger und Immobilienbesitzer, Hochwasservorsorge und Hochwasserbewältigung, zusammengefasst in einer Hochwasserschutzfibel (Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit).

Hochwasserschutzkonzept, Gewässerunterhaltung, Krisenmanagement

Über einen großen Teil des südwestlichen Gemeindegebietes erstreckt sich das seit dem Jahr 2004 festgesetze Überschwemmungsgebiet „Tiroler Achen“. 2017 hat das Wasserwirtschaftsamt Traunstein das Überschwemmungsgebiet neu ermittelt. Die Neuberechnung basiert auf aktualisierten Datengrundlagen und fortgeschrittenen Berechnungsmethoden. Das Verordnungsverfahren zur Neufestsetzung wird nun vom Landratsamt Traunstein durchgeführt.

Neben dem Überschwemmungsgebiet „Tiroler Achen“ gibt es auch das Überschwemmungsgebiet „Chiemsee“, welches bereits 2016 vorläufig festgesetzt wurde. Es deckt sich größtenteils mit dem Naturschutzgebiet „Mündungsdelta der Tiroler Achen“ bzw. dem Landschaftsschutzgebiet „Chiemsee-Schutzverordnung“. Das Überschwemmungsgebiet „Chiemsee“ ist nicht bewohnt, es grenzt allerdings unmittelbar an die westliche Wohnbebauung unseres Ortes an. Der festgesetzte Überschwemmungsbereich ist besonders durch landwirtschaftliche Nutzung geprägt.

Aufgrund der Erfahrungen aus dem Jahrhunderthochwasser von 2013 und den zurückliegenden Starkregenereignissen in den letzten Jahren, bei denen sich auch im Ortsbereich Probleme beim Abfluss des „Grabenstätter Mühlbaches“ und des sog. „Pfarrerbachl“ ergaben, hat die Gemeinde ein „Integrales Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept“ für die beiden Gewässer ausarbeiten lassen.

Die Variantenuntersuchungen haben ergeben, dass eine richtlinienkonforme Umsetzung nach den entsprechenden wasserrechtlichen Vorgaben wirtschaftlich nicht darstellbar ist. Insofern scheidet auch eine staatliche Förderung aus. Die Gemeinde hat deshalb eine weitere Konzeptplanung in Auftrag gegeben, auf deren Basis wirksame Einzelmaßnahmen mit einer größtmöglichen Schutzwirkung realisiert werden sollen. Eine ausführliche Information über die zurückliegenden Bemühungen in Sachen Hochwasserschutz wurde im Rahmen einer Online-Informationsveranstaltung am 06.05.2021 gegeben, deren Aufzeichnung hier nochmals abgerufen werden kann.

Mit Gewässerunterhaltung sind Maßnahmen gemeint, die der Pflege und Entwicklung von Gewässern dienen, insbesondere mit dem Ziel der Erhaltung und Verbesserung wasserwirtschaftlicher und naturräumlicher Funktionen. Die Instandhaltung von technischen Einrichtungen wie Wehranlagen oder Hochwasserschutzeinrichtungen stellt somit nur einen Teil der Gewässerunterhaltung dar. Zuständig für die Gewässerunterhaltung sind grundsätzlich die Gewässer-Eigentümer soweit sich die Aufgabe nicht für Gebietskörperschaften, Wasser- und Bodenverbände, Zweckverbände oder sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts ergibt.

Zur Sicherung des ordnungsgemäßen Wasserabflusses am „Grabenstätter Mühlbach“ hat die Gemeinde Grabenstätt bereits umfangreiche Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt (Behebung von Hochwasserschäden, Sicherung von Uferböschungen). Weitere Maßnahmen werden folgen.

Eine wichtige Aufgabe der Gemeinde stellt auch die Fortschreibung der Krisenmanagementplanung dar, einschließlich Hochwasser-, Alarm-, Einsatz- und Meldepläne.

Lex Peter

Geschäftsleitung

Ansprechpartner in der Gemeindeverwaltung

Online-Bürgerinformation

zum Thema Hochwasserschutzkonzept für den Grabenstätter- und Marwanger Mühlbach,
Vorstellung der Planungsergebnisse

Der Hochwasserschutz ist eine der wichtigsten Aufgaben in unserer Gemeinde. Der Gemeinderat hat deshalb, aufbauend auf einer Vielzahl von hydraulischen und hydrologischen Untersuchungen und den daraus resultierenden Abflussberechnungen, verschiedene Planungsvarianten erarbeiten lassen, welche vom beauftragten Ingenieurbüro Aquasoli im Rahmen einer Online-Bürgerinformation vorgestellt werden. Da nicht absehbar ist, wann wieder eine größere Präsenzveranstaltung stattfinden kann, wird nun dieser Weg der Bürgerinformation gewählt, um die weiteren Schritte und Planungen in Sachen Hochwasserschutz nicht weiter zu verzögern. Die Veranstaltung findet als Livestream

am Donnerstag, den 06. Mai 2021 um 19.30 Uhr statt.

Der Vortrag beinhaltet den Themenbereich, zu dem auch in der öffentlichen Gemeinderatssitzung am 26.05.2021 beraten und Beschluss gefasst wurde. Das Ergebnis in Bezug auf das weitere Hochwassergefährdungsgebiet, nämlich des sog. Pfarrerbachls, wird zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt.

Wir laden alle betroffenen und interessierten Bürgerinnen und Bürger ein, sich im Rahmen dieser Online-Veranstaltung über den aktuellen Sachstand zu informieren. Es wird außerdem die Möglichkeit angeboten, bereits im Vorfeld der Veranstaltungen Fragen zu diesem Thema bei der Gemeinde per E-Mail einzureichen. Um die Fragen hinreichend beantworten zu können, bitten wir um Einsendung möglichst bis Mittwoch, 05.05.2021. Auch während der Veranstaltung können noch Fragen per eMail oder Live-Chat* gestellt werden, welche am Ende des fachlichen Beitrags soweit wie möglich beantwortet werden. Bitte fassen Sie Ihre Fragen kurz und präzise und geben Sie dabei Ihren vollständigen Namen an.

Kontaktadresse für schriftliche Eingaben und Fragen während der Veranstaltung: gemeinde@grabenstaett.de
* Teilnahme am Live-Chat nur mit Anmeldung möglich.

Gerhard Wirnshofer
Erster Bürgermeister